Intect

Feuchtemonitoring im Leistungsverzeichnis ausschreiben

Feuchtemonitoring im LV ausschreiben: Position, Vergütung, Abgrenzung zur CM-Messung. Mit Vorlagen für CAF, CT und Bestandsbeton.

Feuchtemonitoring wirkt nur, wenn es von Anfang an im Projekt verankert ist — und das heisst: im Leistungsverzeichnis. Wer es erst auf der Baustelle nachrüstet, verliert die frühen Messdaten aus der kritischen Anfangsphase und muss Zuständigkeiten nachverhandeln. Dieser Beitrag zeigt, wie eine saubere LV-Position für Estrich-Feuchtemonitoring aussieht und was Planer bei Vergütung und Abgrenzung beachten sollten.

Warum ins LV?

Drei Gründe sprechen für die Ausschreibung als eigene Position:

  1. Klare Zuständigkeit. Die Position legt fest, wer die Sensoren einbringt (in der Regel der Estrichleger beim Einbau), wer den Betrieb verantwortet und wer Zugang zu den Daten erhält. Ohne LV-Position entstehen die typischen Grauzonen: Wer zahlt? Wem gehören die Daten? Wer reagiert auf Alarme?
  2. Wirtschaftliche Einbringung. Beim Estricheinbau kostet das Positionieren eines eingebetteten Sensors wenige Minuten. Nachträglich bedeutet es einen eigenen Termin mit Bohrung an der Messstelle.
  3. Vergleichbare Angebote. Eine präzis formulierte Position macht Angebote vergleichbar — statt dass jeder Bieter etwas anderes unter „Monitoring” versteht.

Aufbau einer sauberen Monitoring-Position

Eine vollständige LV-Position für Feuchtemonitoring umfasst fünf Bausteine:

1. Leistungsumfang. Anzahl und Art der Sensoren (Materialsensor im Estrich, Raumklimasensor), Gateway zur Datenübertragung, Zugang zur Auswertungsplattform. Richtwert: ein Materialsensor je Raum bzw. Flächenraster, ein Raumklimasensor je Geschoss.

2. Einbringung. Zeitpunkt (beim Estricheinbau oder nachträglich an der Messstelle), Positionierung (repräsentative Stelle, tiefste Zone der Schicht, Abstand zu Randfugen und Heizkreisen) und Dokumentation der Sensorpositionen im Verlegeplan.

3. Messgrössen und Datenbereitstellung. Feuchte- und Temperaturverlauf im Material, Darstellung vergleichbar zur CM-Referenz in g/m³; Raumklima (Temperatur, relative Feuchte). Zugang für Bauleitung, Fachplaner und ausführende Gewerke; Alarmierung bei definierten Schwellwerten; Abschlussbericht als Teil der Projektdokumentation.

4. Betriebsdauer. Vom Einbau bis zur nachgewiesenen Belegreife, optional weiter bis Projektübergabe (z. B. zur Überwachung der Aufheiz- und Belegphase). Da der Sensor vollständig eingebettet bleibt, endet die Leistung mit dem Datenzugang, nicht mit einem Rückbau.

5. Abgrenzung zur CM-Messung. Der Satz gehört in jede Position: Das Monitoring ersetzt die CM-Messung nicht. Die CM-Messung bleibt der anerkannte Nachweis der Belegreife (DIN 18560 / SIA-Kontext); das Monitoring dient der kontinuierlichen Verlaufskontrolle und der Terminierung der CM-Messung.

Vergütung: drei gängige Modelle

  • Pauschal je Sensor/Fläche: einfachste Abrechnung, gut kalkulierbar für Bieter.
  • Pauschal je Bauabschnitt inkl. Betrieb: bündelt Hardware, Einbringung und Datenzugang.
  • Bauherrenseitig gestellt: Der Bauherr beschafft das System, das LV regelt nur die Einbringung durch den Estrichleger (Minutenaufwand je Sensor).

Welche Variante passt, hängt von der Projektgrösse ab. Für öffentliche Ausschreibungen empfiehlt sich die produktneutrale Formulierung mit funktionalen Anforderungen (eingebettete Sensorik, Funkübertragung durch das Material, kontinuierliche Datenbereitstellung, g/m³-Darstellung).

Fertige Vorlagen

Damit die Formulierung nicht bei null beginnt, stellen wir geprüfte LV-Vorlagen als Download bereit:

  • LV-Position Fliessestrich (CAF) — Feuchtemonitoring Estrichtrocknung
  • LV-Position Zementestrich erdfeucht (CT) — Feuchtemonitoring Estrichtrocknung
  • LV-Position Bestandsbeton — Feuchtemonitoring vor Sanierung/Belegung

Alle Vorlagen finden Sie im Download-Bereich (PDF und DOCX zum Einfügen ins eigene LV). Hintergründe zur Feuchtemessung in Bestandsbeton liefert der Beitrag Bestandsbeton-Feuchte messen.

Vom LV zum laufenden Projekt

Nach der Vergabe ist der Ablauf schlank: Sensorpositionen im Verlegeplan festlegen, Einbringung beim Estricheinbau, Gateway anschliessen — ab dann laufen die Daten. Bauleitung und Planer sehen denselben Trocknungsverlauf, Alarme melden Stagnation oder Feuchteereignisse, und die CM-Messung wird terminiert, wenn der Verlauf sie rechtfertigt.

Wer das Modell vor der ersten Ausschreibung kennenlernen will, kann es im Pilotprojekt auf einer realen Fläche testen.

Häufige Fragen

In welches Gewerk gehört die Monitoring-Position?
Üblich sind zwei Varianten: als Position im Estrichgewerk (der Estrichleger bringt die Sensoren beim Einbau ein) oder als eigene Position der Bauleitung/des Bauherrn. Die Einbringung beim Estricheinbau ist am wirtschaftlichsten, weil kein separater Termin nötig ist.
Ersetzt die Monitoring-Position die CM-Messung im LV?
Nein. Die CM-Messung bleibt als eigene Position bestehen — sie ist der anerkannte Nachweis der Belegreife. Das Monitoring reduziert die Anzahl nötiger CM-Termine, weil es den richtigen Zeitpunkt liefert.
Was muss die LV-Position mindestens enthalten?
Leistungsumfang (Anzahl Sensoren pro Fläche, Raumklimasensor, Gateway), Einbringung (vor/nach Estricheinbau), Datenbereitstellung (Zugang für Bauleitung und Planer, Berichtsformat), Betriebsdauer (bis Belegreife bzw. Projektende) und die Abgrenzung zur CM-Messung.
Wie viele Sensoren pro Fläche sind sinnvoll?
Als Richtwert hat sich ein Materialsensor je Raum bzw. je angefangene [PLATZHALTER: m²-Richtwert aus Pilotpraxis] m² bewährt, ergänzt um einen Raumklimasensor pro Geschoss oder Bauabschnitt. Massgeblich sind Grundriss, Estrichart und Schichtdicken.